Paris im Stau, 30 Grad und ein wundersamer Taxifahrer

Vor einigen Wochen sitze ich in Paris im Taxi und fahre nach einem Kundentermin im Taxi wieder zurück zum Flughafen. Es sind 30 Grad im Schatten. Mein Taxi besitzt entweder keine Klimaanlage oder der Fahrer möchte Benzin sparen und stellt sie nicht an.

Dann beginnt die Reise – unterbrochen vom Einfahren im Kamikazestil in jeden Kreisverkehr und der Verwendung der Hupe als musikalische Untermalung der Fahrt. Man fühlt sich seiner religiösen Herkunft näher und betet oder – falls man an nichts glaubt, flucht leise vor sich hin. Der Taxifahrer kommentiert mit Worten und Gesten ununterbrochen und lautstark die Fahrweise der anderen – zum Glück verstehe ich kein Französisch!

Richtig Glück habe ich jedoch, weil ich keines der Motorradtaxis genommen habe – wenn man die im Verkehr fahren sieht, dann ist es in meinem Taxi richtig beschaulich.

Als Deutscher bewundere ich die unendlichen Tiraden des Fahrers und seinen Fahrstil – in Berlin wäre bei gleicher Fahrweise die Fahrt nach 20 Metern mit einem Unfall beendet gewesen, hier nehmen alle irgendwie auf den anderen Rücksicht und auf schwer zu beschreibende Weise kommen alle irgendwie vorwärts – ohne weitere Schäden.

Dann aber passiert etwas Ungewöhnliches: In einer Straße hält der Fahrer das Taxi unvermittelt an und steigt aus! Hinter uns beginnt eine Huptirade und die Autos versuchen an uns vorbei zu kommen. Nur ich sitze brav auf der Rückbank des Autos und kann nur staunen: Mein Taxifahrer ist weg!

Nach wenigen Minuten kommt er angerannt, springt wieder ins Taxi und reicht mir strahlend eine Flasche kaltes Wasser – er ist extra herausgesprungen, um für mich die Hitze mit einer Flasche Wasser erträglicher zu machen! Wow – was für ein unerwarteter Service! Merci, Monsieur!

Nicht nur bin ich an diesem Tag unverletzt zum Flughafen gekommen, der Taxifahrer hat mir eine wertvolle Kundenservice- und Marketinglektion beigebracht: Manchmal ist es das Unerwartete, was uns im Gedächtnis bleibt. Die Extrameile, wenn wir etwas für Kunden tun.

Nun bleibt nur eine Frage: Was können Sie tun, wenn Sie Ihre Kunden einmal überraschen wollen?

Geschrieben von

Anthony-James Owen ist Geschäftsführer und Seniorberater der Guerrilla Marketing Group. Er verfügt über vielfältige Erfahrungen im Vertrieb und Marketing seit 1982. Er moderiert seit mehreren Jahren die populäre Sendung GuerrillaFM mit Tipps und Hinweisen zu mehr Wachstum und Profitabilität für Selbständige und mittelständische Unternehmen.

4 Kommentare

  1. Paris im Stau, 30 Grad und ein wundersamer Taxifahrer

    Interessanter Artikel. In Berlin kann das kaum passieren. Ich persönlich schicke Blumen oder Champagner.

    Br
    Michael Dur

    • Paris im Stau, 30 Grad und ein wundersamer Taxifahrer

      Hallo Michael,
      ja, in Berlin wird das leider nicht passieren – überhaupt ist der Umgang im Strassenverkehr trotz mehr Verkehr höflicher und gesitteter als bei uns. Es wird in Paris so gut wie nicht gehupt – auf eine Art sehr entspannend. LG Anthony

  2. Paris im Stau, 30 Grad und ein wundersamer Taxifahrer

    Stichwort im Gedächtnis bleiben! Genau diese Strategie „verfolge“ ich im Vertrieb. Häufig sieht oder hört man Interessenten nur einmal. Wenn ich dann nicht bei ihnen in „bleibender“ Erinnerung verbleibe, verschwinde ich in der „grauen“ Masse der Vertriebler. Da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten…..viele ergeben sich „spontan“. Man selber muss jedoch das Spontane leben…Lieben Gruß von Dieter. Übrigens: Dabei darf man sich nicht von Kommentaren oder „hinter dem Rücken Kommentaren“ „erfahrener, seriöser“ Kollegen beeindrucken oder gar unterkriegen lassen!!

  3. Paris im Stau, 30 Grad und ein wundersamer Taxifahrer

    Das ist ein schönes Beispiel für guten Kundenservice. Es muss nichts großartiges oder weltbewegendes sein, ein bischen ehrliches Interesse am Kunden kann eine Menge bewirken.

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